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Unsere dritte Australienreise beginnt um 3:30 Uhr in der Nacht. Es ist Zeit zum Aufstehen, denn um vier Uhr steht bereits das Taxi vor der Tür. Auf zum Flughafen nach Stuttgart. In Frankfurt müssen wir noch umsteigen bevor wir dann mit Singapore Airlines weiterfliegen. Ein toller Service an Board entschädigt für die elfstündige  Flugzeit. Zwischenlandung in Singapore. Auf der Terrasse des Teminals ist es kaum auszuhalten. Feuchtwarmes Wetter und Temperaturen um die 30°C sind nichts für Leute mit schwachem Kreislauf. Nach zwei Stunden Aufenthalt gehts schliesslich weiter nach "Down Under".

Mittags um 15 Uhr landet unsere Maschine auf dem Flughafen in Perth. Mit dem Shuttle-Bus fahren wir zum "Mercure" Hotel in der Irwin Street. Von hier aus ist es nicht weit zur Innenstadt. Zur Mittagszeit strömen die Angestellten aus den Büros in die Fussgängerzone der Hay Street. Einen Platz zum Lunch in der Sonne findet hier dennoch jeder. Von Hektik keine Spur - alles wirkt ein bisschen gemütlicher und entspannter als in anderen australischen Grosstädten. Vielleicht liegt es am milden, sonnigen Klima - denn Perth ist die Stadt mit den meisten Sonnenstunden im Jahr. Im "Subway" essen wir erstmal einen dieser berüchtigten Riesensandwiches, welche mit mindestens einem Pfund Wurst belegt sind. Zurück im Hotel gönnen wir uns noch einen "Absacker“ an der Hotelbar und legen uns dann todmüde ins Bett. Der Jetlag lässt grüssen.

Bei herrlichem Sonnenschein frühstücken wir im nahegelegenen "Black Swan Cafe". Unter freiem Himmel werden uns Spiegeleier, Würstchen, gegrillte Tomaten und Pommes serviert. Moderne Bürotürme und historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert prägen das Stadtbild Perths. In einer Seitenstrasse entdecken wir einen Stiefelladen und kaufen dort erstmal australische Farmer Boots und auch gleich den passenden Hut dazu. Am Riverside Drive gelangt man zur Barrack Street Jetty - der Anlegestelle für Ausflugsschiffe und Fähren. Da es mal wieder Zeit zum Essen ist, bestellen wir uns in einem kleinen Restaurant erstmal eine Portion Fish and Chips. Von hier hat man zugleich auch einen schönen Ausblick auf den Swan River. Zurück im Hotelzimmer werden noch schnell die Rucksäcke für den morgigen Abreisetag gepackt.
 
Walpole National Park - Tree Top Walk
> Tree Top Walk
Kalgoorlie - Exchange Hotel
> Kalgoorlie
Ally and Russel
> Ally and Russel
The Pinnacles at Nambung National Park
> Pinnacles
The Pinnacles at Nambung National Park
> Pinnacles

Frühstück wie gehabt im "Black Swan Cafe" und danach gleich weiter zur "Britz" Autovermietung am Great Eastern Highway. Der Toyota LandCruiser steht schon für uns auf dem Hof bereit. Wir verlassen nun Sunshine City und fahren nach Südosten zum 350 Kilometer entfernten Wave Rock. Unterwegs begegnen uns riesige Schwärme grüner Wellensittiche und rosa Kakadus. Endlich am Wave Rock angelangt, verpassen wir die letzten Sonnenstrahlen zum fotografieren. Trotz des fehlenden Lichts sollten die Fotos aber dennoch ganz ordentlich werden. Auf dem angrenzenden Campground finden wir ein gemütliches Cabin mit Veranda. Da unser Lebensmittelvorrat gleich Null ist, beschliessen wir zur nahegelegenen Ortschaft Hyden zu fahren. Im Pub gibts an diesem Abend B.B.Q. und Emu-Export - genau das Richtige also nach unserer ersten Etappe.

Um halb sechs beginnt das morgendliche Wecken der Vögel, allen voran die Krähen mit ihrem unverkennbaren, heiseren Krächzen. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang gelangen wir zur 100 Meter langen und 15 Meter hohen Granitwelle. Ein 20 minütiger Fussmarsch führt zum "Hippo Yawn". Der Eingang dieser Höhle befindet sich in einem Waldstück und ähnelt sehr dem Maul eines Nilpferdes. Nach dem Frühstück fahren wir nun weiter nach Süden. Am Wegesrand liegen teilweise umgestürzte, schwarzverkohlte Bäume - die traurigen Überreste der letzten Bushfeuer. Von weitem sieht man jetzt schon die Berggipfel der Stirling Ranges. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Walpole-Nornalup National Park an der Südküste. Vom "Knoll Scenic Drive" bietet sich einem eine herrliche Aussicht auf die Granitfelsen, die weiten Sandstrände und traumhaft schöne Buchten. In der gutbesuchten Ortschaft Walpole findet sich nach langem Suchen dann schliesslich doch noch ein freies Motelzimmer. Wir ziehen danach noch schnell los um unsere Lebensmittelvorräte aufzufüllen bevor die Geschäfte schliessen. Ein heftiges Gewitter am Abend veranlasst uns schliesslich doch etwas früher ins Bett zu gehen.

Nach dem Auschecken wollen wir heute zum "Valley of Giants" - müssen aber noch warten bis die Rezeption um 7:30 Uhr öffnet. Es wäre wohl besser gewesen schon im Voraus zu bezahlen. Mit einer Stunde Verspätung erreichen wir also die prachtvolle Waldlandschaft der Karri- und Red Tingle Bäume. In schwindeleregender Höhe führt die Brückenkonstruktion des "Tree Top Walk" über die bis zu 70 Meter hohen Baumriesen hinweg. Nach Albany, der ältesten Stadt Westaustraliens, ist es von hier aus nicht mehr weit. Die malerische Stadt mit vielen noch gut erhaltenen Strassenzügen aus dem 19. Jahrhundert liegt über mehrere Hügel verteilt an einer Bucht. Hinter der Dünenlandschaft befindet sich ein schöner, ruhiger Campground mit herrlichem Blick auf das stürmische Meer.
 
Kalbarri National Park - Castle Cove
> Castle Cove
Kalbarri National Park - Nature's Window
> Nature's Window
Kalbarri National Park - Lookout
> Kalbarri NP
Kalbarri National Park
> Kalbarri NP
Karijini - National Park
> Karijini NP

Von Albany verläuft der South Coast Highway abseits der Küste nach Esperance. Bekannt wurde der Ort als 1979 Reste der Raumstation "Skylab" in der Nähe der Stadt abstürzten. Der Great Ocean Drive führt an langen, unberührten, weissen Sandstränden entlang. 200 Inseln sind der Küstenregion vorgelagert. Das kristallklare Wasser schimmert türkisfarben. Nach Norseman sind es jetzt noch 200 Kilometer. Der Ort wurde nach einem Pferd benannt, welches mit dem Huf einen Goldnugget freischarrte. Auf dem örtlichen Campground läuft uns abends eine junge Border-Collie Hündin zu. Wie sich später herausstellt gehört Ally zu Russel, der schon verzweifelt nach ihr gesucht hat. Er lädt uns daraufhin spontan auf ein Bier in seinen Wohnwagen ein. Nach einem gemütlichen Abend versprechen wir, ihn bei unserer nächsten Australienreise zu besuchen.

Am frühen Morgen fahren weiter zur Goldgräberstadt Kalgoorlie. Am Strassenrand nördlich von Norseman treffen wir ein weiters Mal auf Russel. In Kalgoorlie ist es an diesem Tag sehr kühl und windig. In der "Hannans North" Goldmine nehmen wir an einer Führung teil. Mit einem Fahrstuhl geht es tief hinab in die dunklen Schächte der stillgelegten Mine. Beim Goldwaschen können die Besucher ihr Glück versuchen - fündig wird man mit Sicherheit nicht. In einem Laden kaufen wir uns erstmal für ein paar Dollar zwei Decken "Made in China". Diese wärmen zwar nicht besonders - dafür fusseln sie aber ungemein. Endlich, die Wolken verziehen sich wieder. Die Abendsonne erleuchtet die alten Fassaden aus der Blütezeit des Goldrauschs. Nach zwei grossen Pizzas verbringen wir den restlichen Abend in der Bar des historischen "Exchange Hotel". Wau, die "sehr leicht" bekleideten Bedienungen tragen hier alle nur Tangas und BH’s.

Heute steht uns eine der längsten Tagesetappen bevor. 600 Kilometer sind es jetzt noch nach Perth. Eine Pipeline versorgt die Goldfelder mit Trinkwasser aus dem Westen. An einem Roadhouse gibts für die Autofahrer kostenlos Kaffee. Nach etlichen Stunden erreichen wir schliesslich das Waldgebiet nördlich von Perth. Ein letzter Blick von hier oben auf die Skyline bevor es nun nochmals über den eintönigen Brand Highway 250 Kilometer nach Norden geht. Noch vor Sonnenuntergang kommen wir in Cervantes, einer kleinen Ortschaft nahe des Nambung National Parks an. Ein Motel ist auch schnell gefunden - das gleiche nämlich wie vor zwei Jahren. Uns bleibt also noch genügend Zeit um zu den nahegelegenen "Pinnacles" zu fahren. Tausende von Kalksteinsäulen ragen wie Speerspitzen aus dem gelben Sand. Gerade noch rechtzeitig erleben wir einen herrlichen Sonnenuntergang. Die Sonnenstrahlen tauchen die bizarre Landschaft noch ein letztes mal in weiches Licht. Bei Dunkelheit verlassen wir nun vorsichtig den Park - im Scheinwerferlicht erblicken wir gerade noch rechtzeitig Kangaroos die vor uns über den Weg springen.
 
Karijini - National Park
> Karijini NP
Karijini - National Park
> Karijini NP
Karijini - National Park
> Karijini NP
Karijini - National Park
> Karijini NP
Karijini - National Park
> Karijini NP

Wir erkundigen uns nach "Bluey" der grossen, roten Tigerkatze, die sich letztes mal in unserem Zimmer einquartiert hatte - sie ist inzwischen noch riesiger geworden. Nach einem ausgiegigen "Hot Breakfast" geht es heute weiter zum Kalbarri National Park. Zwischendurch legen wir in Port Denison einen Stop ein. Hier werden zuerst einmal die langen gegen die kurzen Hosen getauscht, denn das Thermometer übersteigt jetzt erstmals die 30°C Marke. An einer urigen Bushtankstelle laufen Emus und Wallabies frei herum. Vorbei an Geraldton, erreichen wir am frühen Nachmittag den Kalbarri National Park. Sein rund 80 Kilometer langes Schluchtensystem und die Klippenlandschaft bilden die Glanzpunkte des National Parks. Von Red Bluff verläuft eine Asphaltstrasse die Klippen entlang mit fantastischen Aussichtspunkten auf den tosenden indischen Ozean. Aufdringliche Fliegen in den Abendstunden zwingen uns letztendlich aber zum vorzeitigen Rückzug. Am besten man lässt beim Sprechen die Zähne zusammen. Bei mittlerweile angenehmen Temperaturen und sternenklarem Himmel sitzen wir noch lange Zeit bei den alten Holzbooten am Strand.

Zu den Schluchten sollte man möglichst in den frühen Morgenstunden aufbrechen, da es ab zehn Uhr dort unerträglich heiss wird. Der Murchinson River grub sich im Laufe der Jahre tief in den rot-weiss gebänderten Sandstein. Felsschluchten wie "Z-Bend" und "The Loop" sind über leichte Wanderwege gut zugänglich. Durch den Felsbogen "Nature’s Window" hat man einen tollen Ausblick auf die nahezu geschlossene Schleife des Flusses. Als dann nach und nach die ersten Besucher eintrudeln ist es endgültig mit der Stille vorbei. Vom Kalbarri National Park sind es jetzt noch 310 Kilometer zur Shark Bay. Am "Wannoo Billabong Roadhouse" bietet sich ein Platz zum Mittagessen im Freien geradezu an. Riesige Krähen belagern den Mittagstisch und tragen so zur guten Unterhaltung bei. Beim "Overlander Roadhouse" führt ein Abzweig nach Denham, der westlichsten Stadt Australiens auf der Peron Peninsula, einer langgestreckten Halbinsel in der Shark Bay. Der langgezogene Strand der "Shell Beach" ist an diesem Tag fast menschenleer. Milliarden winziger Muschelschalen bilden eine drei bis vier Meter dicke Schicht. Im "Seaside Caravan Park" finden wir eine preiswerte Unterkunft mit der Möglichkeit erstmals unsere Klamotten zu waschen. Damit uns die ganze Angelegenheit nicht zu langweilig wird, werden wir fortan von penetranten Fliegen attackiert. Die Biester machen uns echt wahnsinnig.

Morgens um sieben ist es an der Zeit für einen Abstecher ins 25 Kilometer entfernte Monkey Mia. Die Hauptattraktion sind hier die Delphine. Seit den frühen 60er Jahren kommen sie regelmässig in kleinen Gruppen an den Strand. Pünktlich um neun Uhr erscheinen die wildlebenden "Bottle Nose Dolphins". Ranger überwachen das tägliche Ritual der Fütterung. Die Tiere erhalten allerdings nur ein kleinen Teil ihrer tagesüblichen Ration - schliesslich sollen sie das Jagen nicht verlernen. Bei den Salzwasserbecken des "Hamelin Pool" findet man Stromatoliten -  versteinerte Algenablagerungen. Diese sind Zeugnisse für eine der ältesten Lebensformen auf der Erde. Bis nach Carnarvon sind es jetzt noch 300 Kilometer. Im örtlichen Supermarkt treffen wir auf einen älteren Aussie. Sein Name ist Harry und er berät uns bereitwillig beim Kauf eines Moskitorepellent. Moskitos können das gefährliche Ross River Fieber übertragen, welches selbst nach zwei Jahren noch ausbrechen kann. Oh my god - wo sind wir hier bloss gelandet - Tagsüber nerven die verdammten Blowflies und Nachts malträtieren uns die Moskitos. Aber so bleibt man immerhin in Bewegung.

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